Betriebsversammlung am Schaeffler Standort Bühl

Am zweiten Adventssonntag, dem 04.12.2016 fand die zweite Betriebsversammlung in diesem Jahr hier am Standort Bühl statt.

Jürgen Stolz (Betriebsratsvorsitzender) berichtete vor ca. 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter anderem über die Auswirkungen von Core in den Standorten Höchststadt und Lahr, sowie die vom Konzern geplante Standortschließung in Elfershausen. Bericht Bayrischer Rundfunk:

 

Jürgen Stolz sagte hierzu: „Zugeständnisse der Mitarbeiter haben noch nie einen Arbeitsplatz oder Standort auf Dauer weder geschützt, noch erhalten.“ Viele SCHAEFFLER Standorte solidarisieren sich gegen Personalabbau und haben bereits Solidaritätsbekundungen an die Kolleginnen und Kollegen am Standort Elfershausen gesendet!

Aus zwei Szenarien aus dem Bericht zur Marktentwicklung wie es in den Jahren 2020, 2025 und 2030 um die Zukunft der verschiedenen Antriebstechniken steht, war zu entnehmen das die Zukunftsprognosen auch negative Auswirkungen auf den Automotive Bereich bei SCHAEFFLER in Bezug auf die Arbeitsplätze haben können. Jürgen Stolz stellte an dieser Stelle die Frage an die Geschäftsleitung mit welcher Strategie man sich dieser Herausforderung stellen wird.

Im Anschluss an den Bericht des Betriebsrates gab es Gelegenheit für Fragen der Mitarbeiter. Unter anderem wurde von einem Mitarbeiter die kürzlich umgesetzte Anhebung der Gehaltsbänder um 8,5% angesprochen in Bezug auf das Entgeltniveau an tarifgebundenen Standorten. “Das Beste Pferd im Stall bekommt das schlechteste Futter“ so der Kollege in seinem Kommentar zu der Erhöhung der Gehaltsbänder in Bezug auf die anderen tarifgebundenen SCHAEFFLER Standorte. Nach wie vor liegt der Abstand zum Tarif trotz der Anhebung der Gehaltsbänder bei den Angestellten im Durchschnitt bei ca. 16%. Der Standort Bühl ist nicht tarifgebunden. Der Arbeitgeber entscheidet allein über die Entgelthöhe.

Matthias Zink (Geschäftsleitung)
Herr Zink nahm Stellung zu den von den Mitarbeitern gestellte Fragen der letzten Betriebsversammlung, wie er zum Thema Tarifbindung am Standort Bühl steht sowie zu der Anmerkung des Mitarbeiters bezüglich der Erhöhung der Gehaltsbänder. Er ist seiner Aussage nach kein Freund von Tarif und wenn, dann mit allen Nachteilen für die Beschäftigten. Tarif bedeutet seiner Meinung nach ca. 12% weniger in der Tasche! (Für seine These bleibt er jeden Beweis schuldig. Auch die Anhebung um 8,5% bezeugt eher das Gegenteil). Er berichtete weiter über die nach wie vor gute Auftragslage, sowie guten Qualitätsergebnisse. Eine Lohnerhöhung von 2,1 % ab Januar 2017 ist von Hr. Zink angekündigt worden. Dem Thema Technologieumbrüche im Bereich Antriebsstrang werde man sich stellen müssen.  Es wird viel in die Entwicklung investiert. Zudem gibt es schon verschiedene Produkte (Hybrid, Elektro), die bereits an Kunden geliefert werden. Die personelle strategische Ausrichtung in Richtung E-Mobilität bedeutet am Standort Bühl die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Lea Marquardt (IG Metall Geschäftsstelle Offenburg)
gab in ihrem Bericht einen Rückblick auf 125 Jahre Erfolg der IG Metall. In den Jahren hat sich in Sachen Arbeit und Arbeitsbedingungen viel verändert. Wie wird sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren mit Industrie 4.0 verändern? Es gibt keine verlässlichen Befunde, jedoch wird befürchtet, dass bis zu 5 Mio. Arbeitsplätze wegfallen werden. Dies entspricht etwa 51% der deutschen Jobs. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden 2030 die Hälfte der Autos und ca. 65% aller Neuzulassungen mit einem rein elektrischen oder zumindest einem Hybridantrieb ausgestattet sein.

Aussprache zu den Berichten
Nach dem Beitrag der IG Metall gab es Gelegenheit zur Aussprache zu den Berichten. An dieser Stelle kritisierte ein Mitarbeiter aus dem Außenwerk Sasbach sachlich die seiner Ansicht nach stark verbesserungswürdige Führungskultur am Standort Bühl. “Nach dem Drehtor endet die Motivation, es hagelt schneller Abmahnungen wie die Tinte auf dem Blatt trocknen kann“ so der Kollege. Herr Kraus (Werkleiter Standort Bühl) ging speziell auf diese Aussage des Mitarbeiters ein und sagte dass er die Situation nicht kennt und sich „dem Thema annehmen wird“.

Überrascht war der Kollege, dass in der Woche nach der Betriebsversammlung an seinem Arbeitsplatz ein Audit mit 10 Auditoren durchgeführt wurde. Zur Verdeutlichung der Situation ist folgendes anzumerken: In der Regel wird ein Werkeraudit mit max. 2 Personen durchgeführt, dem Mitarbeiter und dem Teamleiter. Hier waren 10 Führungskräfte damit beschäftigt den Kollegen zu „auditieren.“ Der Arbeitgeber argumentierte auf Nachfrage zu diesem Vorgehen, dass es sich um ein ShopFloor Audit im Rahmen des ShopFloor-Managements gehandelt habe und das die übliche und bereits im Vorfeld geplante Vorgehensweise war. Diese Aussage ist aus unserer Sicht nur ein Versuch die Situation herunterzuspielen. Wir fragen uns: Ist dieses Vorgehen tatsächlich immer noch am Standort Bühl das Mittel der Wahl? Bei uns entsteht eher der Eindruck, dass hier ein Mitarbeiter, der in einer Betriebsversammlung seine persönliche Meinung geäußert hat, massiv unter Druck gesetzt werden sollte. Dem Anschein nach ist der Kulturwandel auch in der Geschäftsleitung nicht angekommen. Wie soll er dann von allen Führungskräften umgesetzt werden?

Aus Sicht der IG Metall Vertrauensleute scheint es in manchen Bereichen in der Tat noch nicht angekommen zu sein, dass mit Druck auf Mitarbeiter keine nachhaltige Verbesserung erreicht wird. Gerade in Sasbach wurden im Jahr 2016 am häufigsten schriftliche Abmahnungen erteilt. Die meisten Führungskräfte machen ihre Arbeit gut. Es gibt jedoch nach wie vor die „Beratungsresistenten“, die Sinn und Zweck ihrer Führungsaufgabe nicht verinnerlichen können und in der Vergangenheit leben. Autoritäre Führungsmethodik führt nicht zum Erfolg. Kulturwandel wird nicht aus dem Vorstand angeordnet, er muss vorgelebt werden.

Die freie Meinungsäußerung ist ein wichtiges Gut. Vorgehensweisen gleich welcher Art, die dazu genutzt werden sollen Beschäftigte unter Druck zu setzen sind inakzeptabel. Wir, die IG Metall Betriebsräte, Vertrauensleute, die Aktiven und die IG Metall im Betrieb vertreten auch all die, die es sich nicht nehmen lassen, frei, sachlich und konstruktiv ihre Meinung zu äußern um zu einem besseren und respektvollen Miteinander beizutragen.

Im Anschluss an die Betriebsversammlung fand die Verabschiedung von Norbert Indlekofer statt. Es waren alle Beschäftigten zu einem Umtrunk und Snack eingeladen.

Dieser Beitrag ist in den Schaeffler-Nachrichten der IG Metall erschienen

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