„…Alles nur ein Missverständnis…“? – IG Metall fordert Zutrittsrecht

Seit Ende November 2016 wird Gewerkschaftsvertretern der Zutritt zur LuK erschwert. Hierbei handelt es sich um Besuche bei Arbeitnehmern, IG Metall Mitgliedern und Betriebsräten. Dies ist laut Lea Marquardt, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Offenburg ein Verstoss gegen das Betriebsverfassungsgesetz.

Von den Behinderungen ausgenommen waren Gespräche zwischen Betriebsräten und der IG Metall im Büro des Betriebsrats. Nach Vorstellung des Personalreferats sollten im Werk in Sasbach nur noch Sprechstunden in Begleitung der stellvertretenden Personalleiterin erfolgen. Weiterhin nahm das Unternehmen Anstoss an Gesprächsrunden im Sitzungszimmer des Betriebsrates, zu denen Betriebsräte und Mitglieder der IG Metall einluden. Mit diesen Verboten und Einschränkungen stellt sich LuK eindeutig gegen geltendes Recht. Nachdem weitere Gespräche in den vergangenen Monaten von wenig Einsicht seitens der Geschäftsführung geprägt waren sahen wir uns gezwungen am Dienstag, dem 15.03.2017 unseren Forderungen durch diese Veranstaltung Nachdruck zu verleihen. Hierzu hat die IG Metall Betriebsräte und Beschäftigte von LuK sowie von weiteren Betrieben dazu eingeladen vor der Kamera zu sagen, was sie davon halten. Demokratie darf nicht am Werkstor enden.

Die Mitarbeiter im Versand beschweren sich über Zugluft, in der Härterei gibt es im Sommer Probleme durch Wärmebelastung und in Sasbach herrscht große Unzufriedenheit über die zentrale Kühlmittelanlage und fehlende Sozialräume. Die Mitarbeiter formulieren ihre Ansprüche und das ist man bei LuK nicht gewohnt. Gründe für den andauernden Ärger sind hierarchische Führungstrukturen und eine teilweise sehr dürftige Sozialkompetenz sowie mangelnde Rechtskenntnisse mancher Führungskräfte.

Im Hinblick auf das Verhalten der LuK Geschäftsführung schüttelt Klaus Lorenz, Betriebsratsvorsitzender bei Bosch, Bühls zweitgrößtem Arbeitgeber, den Kopf „Bei uns wäre so etwas nicht möglich“.

85% aller Mitarbeiter des Familienunternehmens Schaeffler in Deutschland haben Tarifbindung. Mitarbeiter des sehr profitablen Schaeffler Unternehmens LuK haben diese Vorzüge nicht. Hier beträgt die wöchentliche Arbeitszeit 40 statt der tariflichen und branchenüblichen 35 Stunden, Urlaubs- und Weihnachtsgeld nennt sich „Prämie“. Zudem fehlen am Standort weitere wichtige Vereinbarungen wie Rahmensozialpläne oder Altersteilzeitregelungen. Trotz einer Nachbesserung im vergangenen Herbst verdienen Angestellte immer noch im zweistelligen Prozentbereich unter Tarif.

Mitarbeiter haben das Recht Verbesserungen einzufordern und sich zu organisieren.

Natürlich könnten wir vor Gericht ziehen und den Zugang zum Firmengelände und den Mitarbeitern erzwingen, jedoch dauert der Rechtsweg erfahrungsgemäß lange. Wir sind kein Freund juristischer Lösungen, im Zweifelsfall werden wir aber auch davor nicht zurückschrecken.

In einem ersten Statement gegenüber dem Badischen Tagblatt vom Montag räumte die Geschäftsführung bereits ein, dass „…es hier offenbar zu Missverständnissen mit der IG Metall gekommen sei, und man im Dialog mit Betriebsräten und Gewerkschaftsvertretern bleiben werde…“

Wir sind davon überzeugt, dass der bei Schaeffler propagierte Kulturwandel auch bei LuK Einzug hält und wir zeitnah gemeinsam mit der Bühler Geschäftsführung bzgl. Zutrittsrecht eine einvernehmliche Lösung im Sinne der Belegschaft finden werden.

 

Online-Presseartikel:

Baden-Online

Badische Neueste Nachrichten

Zu diesem Thema ist ein weiterer Beitrag auf den Schaeffler-Nachrichten verfügbar.


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