Vorstand streicht 1300 Stellen!

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Am 2. Oktober informierte der Arbeitgeber den Wirtschaftsausschuss im Konzern. Demnach sollen im Unternehmen in Deutschland 650 Stellen in indirekten Funktionen entfallen, davon 155 in Industrie, 140 in Operations, 230 in Automobil, 35 in Aftermarket, 60 in Technologie, Forschung/Entwicklung und IT.

Weitere 650 Stellen betreffen den direkten Bereich der Produktion. Der Arbeitgeber wollte noch nicht sagen, in welchem Umfang die einzelnen Standorte betroffen sind. Mit 155 indirekten Funktionen und 460 direkten Stellen ist die Sparte Industrie im Verhältnis zum Anteil der Beschäftigten in Deutschland überproportional betroffen.

Der Vorstand begründet den Personalschnitt mit den Organisationsänderungen in Automotive und Europa, bei denen eine flachere Hierarchie Stellen einspart. Im Weiteren erwartet der Vorstand keine Erholung der Auftragslage für 2020. Die bisherigen Maßnahmen wie Arbeitszeitabsenkung, Stilllegungstage, Kündigung der 40-Stunden-Verträge, keine Entgelterhöhung für AT-Angestellte und Kurzarbeit stoßen nach Meinung des Vorstandes an Grenzen. Tatsächlich informierte der Vorstand den Wirtschaftsausschuss des Konzernbetriebsrates am 18. September ausführlich über die Lage der Automotive- und Aftermarket-Sparte sowie über die Programme RACE, FIT und GRIP. Die Informationen zur Sparte Industrie deuteten in keiner Weise auf ein Krisenszenario.

Auftragslage, Ertrag und Beschäftigung zeigen aktuell eine positive Entwicklung. Die Vorstellung des Industrieprogramms FIT bleibt völlig im Abstrakten. Auf Nachfrage, wann konkrete Auswirkungen auf die Mitarbeiter zu erwarten sind, blieb es bei der Aussage, der Betriebsrat werde frühzeitig informiert!

Thomas Höhn, IG Metall

„Betriebsräte und IG Metall tragen viele Maßnahmen mit, um die
Transformation in neue Produkte und neue Prozesse
konstruktiv zu begleiten. Wir wollen konjunkturelle
und strukturelle Veränderungen mitgestalten. Wir
leisten aber auch heftig Widerstand, wenn unter dem
Deckmantel der Transformation bloße Profitmaximierung
und EBIT-Steigerung hervortreten!“

Freiwilligenprogramm

In der „Zukunftsvereinbarung“ vereinbarten Schaeffler, Betriebsräte und IG Metall, gemeinsam Standortschließungen entgegenzuwirken und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Ausfluss dieser Vereinbarung ist das am 2. Oktober veröffentlichte „Freiwilligenprogramm“ (FWP).

Solidarität mit Hamm, Unna, Kaltennordheim und Steinhagen!

Im Rahmen des Programms RACE verfolgt der Vorstand seit März 2019 eine Effizienzsteigerung im Automotive-Bereich. Betroffen sind vor allem die vier Standorte Hamm, Unna, Kaltennordheim und Steinhagen. Hamm, Unna und Kaltennordheim will der Vorstand schließen bzw. verkaufen. In Steinhagen soll der Automotive-Bereich mit der Hälfte der Belegschaft zugemacht werden, was den Standort insgesamt gefährdet.

Belegschaften, Betriebsräte und IG Metall protestieren gegen die Pläne. Die Betriebsräte beauftragten das arbeitnehmernahe INFO-Institut mit der Prüfung des Arbeitgeberkonzepts einschließlich der Wirkung der Maßnahmen.

Als erster Erfolg bleibt Hamm weiter bestehen. Der Standort wurde von Schaeffler an bisherige Führungskräfte in einem „Management-Buyout“ verkauft, Beschäftigung wird gesichert. Unabhängig von Schaeffler bestehen gute Chancen für die Reibbeläge, Markt und Kunden zu erreichen.

Die profitablen Standorte Unna und Kaltennordheim stehen aber immer noch unter der Androhung der Schließung. Und in Steinhagen soll weiterhin der Automotive-Bereich geschlossen werden. Als Alternative
fordern Belegschaften, Betriebsräte und IG Metall die Fortführung der Standorte sowie die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze ein. Gespräche und Verhandlungen werden vor Ort fortgeführt, solidarisch unterstützt vom Gesamt- und Konzernbetriebsrat.

Protest und Standortdialog

Im Mai 2019 richtete der Gesamt- und Konzernbetriebsrat einen Protestbrief an den Vorstand, in dem wir uns für die Beschäftigung in den
Standorten in Deutschland und Westeuropa einsetzten.

Unser Protesttag am 7. Juni in allen Standorten unterstrich diese Forderungen. Daraus entwickelte sich die Einrichtung des „Standortdialogs“ zwischen Werkleitung und Betriebsrat auf örtlicher Ebene.

Die Betriebsräte aller Standorte fordern ein:

  1. Darlegung der Personalabbaumaßnahmen in den Standorten, mit der Begründung, warum die Funktionen wegfallen!
  2. Prüfung von alternativen Lösungsinstrumenten wie Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten, Qualifizierungsmaßnahmen in neue Tätigkeiten!
  3. Insbesondere die Sparte Industrie – nach den Einschnitten im Personal nach CORE I und II und Integration BCT – muss erklären, warum ein weiterer radikaler Schnitt angesetzt wird, überproportional zu der Gesamtzahl der Beschäftigten. Der Standortdialog muss jetzt beginnen!
  4. Keine betriebsbedingten Kündigungen!
  5. Keine Standortschließungen und Stopp der Verlagerung von Maschinen und Aufträgen nach Osteuropa!

Zu diesem Thema ist auch ein Beitrag auf der IG Metall Schaeffler Website erschienen.

Zum Flyer im PDF-Format